Aktuelle Ausgabe
 









#109, März 10

RETROUVER SON LA
Auf der Suche nach einem verlorenen Ton
VON THOMAS MEYER

Was macht die Musik, wenn sie sich neu besinnen möchte und einen neuen Anfang sucht? Wenn sie einen Anfang suchen muss? Wenn sie sich verheddert hat? Wenn sie keinen Ausweg mehr weiss? Wenn sie nicht mehr in sich stimmt? Wenn sie krank wird? Wenn ihr die Fragen zu schwer werden? Dazu etwas Material und eine Handvoll loser Notate.

 

ZWISCHEN IDEALISMUS UND SELBSTAUSBEUTUNG
Strukturen und Eigenheiten dreier Initiativen fernab des etablierten Festival- und Konzerbetriebs: das Ensemble für Neue Musik Zürich, die Projektgruppe GNOM Baden und das Forum : : Wallis <<>> Forum Valais.
VON TORSTEN MöLLER

Wer reisefreudig ist, könnte heute fast jedes Wochenende ein Festival mit zeitgenössischer Musik besuchen und mindestens wöchentlich sein CD-Regal aufstocken mit einer Neuerscheinung avancierter Kunstmusik, die nach 1950 entstand. Längst ist die noch immer so genannte Neue Musik nicht mehr Sache einzelner finanzkräftiger Institutionen, Mäzene oder bestimmter Orte. Eine einstige Deutungshoheit grosser Zentren wie Basel, Zürich, Luzern oder historisch renommierter Orte wie Donaueschingen oder Darmstadt gehört der Vergangenheit an. Nur der Flaneur kann sich ein umfassenderes und adäquates Bild der heutigen Musikszene bilden - also derjenige, der sich herumtreibt, sich von Berlin nach Zürich begibt, von Oslo nach Wien, aber auch von Baden nach Aarau oder von Rümlingen nach Sion, Brig oder Visp. Nur drei Initiativen - in Zürich, Baden und im Wallis - seien hier exemplarisch vorgestellt.

ON NE S'ENDORT PAS !
Réflexion sur la pédagogie de l'histoire de la musique du XXe siècle
PAR FRÉDÉRIC PERRETEN

L'enseignement de l'histoire de la musique contemporaine tarde parfois à s'intégrer au cursus des Hautes Ecoles de Musique. Heureusement, le temps est au changement, et de plus en plus les répertoires du XXe siècle prennent leur place au côté de ceux des époques antérieures. Mais ce changement ne se fait pas sans remises en question : l'enseignement « classique » ne peut survivre tel quel à l'introduction des pensées musicales d'aujourd'hui. Il doit être repensé jusque dans ses postulats fondateurs - conceptions de la chronologie, du savoir et de sa transmission. A travers un examen des présupposés qui fondent cet enseignement, il est possible de proposer des déplacements : ne plus voir le « savoir » seul, les « informations », mais également son « développement », la « découverte », comme partie intégrante de la réflexion pédagogique ; reconnaître l'importance d'autres liens, subjectifs, auditifs ou conceptuels, entre les œuvres, et pas seulement leur étroite place dans la chronologie des manuels ; redonner une place aux acteurs qui ont fait la musique, et faire ressurgir ces réseaux de connaissances (professeurs, étudiants, amis, mécènes, compositeurs, interprètes) qui ont fait naître les œuvres.

UNE ARCHITECTURE DU RÊVE
L'« Omaggio a Carpaccio » de Roger Tessier
PAR HERVÉ AUGIER

L' « Omaggio a Carpaccio » de Roger Tessier, pour quatre trombones, un quatuor à cordes, un quatuor de flūtes et un quatuor de flūtes à bec, offre à l'auditeur une méditation ouverte comme au cœur de l'espace pictural : à même l'équilibre fragile de la composition du chef-d'œuvre, Le Rêve de Sainte Ursule, du grand maître vénitien Vittore Carpaccio. C'est bien une exploration des « frontières », entre rêve et réalité, entre peinture et musique, qui se joue à l'intérieur du texte musical. Le tracé de l'œuvre en quatre « moments » se laisse lire comme une réoganisation continuelle, un mouvement ininterrompu, pour reprendre Bergson, des éléments qui la constitue: la dimension onirique, prise ici tant comme métaphore que comme outil théorique, illustre avec une précision singulière une pensée musicale en constant déploiement.

PRÄZISION UND UTOPIE
Der Komponist Mark Andre

VON MICHAEL REBHAHN

Von der «Lust am Utopischen» spricht Helmut Lachenmann mit Blick auf die Arbeit seines ehemaligen Schülers Mark Andre. Das Moment jenes «Utopischen» besteht in der Musik des 1964 in Paris geborenen und zur Zeit in Berlin lebenden Komponisten in der Perspektive, die seine Werke repräsentieren: Sie verweisen auf Unfassbares, auf eine Sphäre, die nicht ohne Weiteres dingfest gemacht werden kann - auf einen «latenten Raum», wie einer der zentralen Termini im ästhetischem Vokabular des Komponisten lautet. Mark Andre ist ein gläubiger Christ, dessen Glaube auch - oder gerade - in seiner künstlerischen Arbeit eine zentrale Bedeutung einnimmt. In dieser Arbeit vertraut Mark Andre auf die Kraft des Wechselspiels von systematischer Strenge und spekulativem Wagnis, von Präzision und Utopie. Ein Weg, der durchaus gangbar scheint: Die «Leere», die er zu Beginn seiner ästhetischen Neupositionierung zu erreichen suchte, hat er mittlerweile mit einem klangsprachlichen Vokabular gefüllt, das zu den Ausnahmeerscheinungen der aktuellen Neuen Musik zählt.

INCIPIT LAUDATIO ROMANI BROTBECKI MEDIATORIS CULTURAE CAUSA

Kleine Ansprache gegen das Mittelmässige
VON HEINZ HOLLIGER

Am 2. Dezember 2009 wurde Roman Brotbeck in der Dampfzentrale Bern der Berner Kulturvermittlungspreis verliehen. Heinz Holliger erhielt die Aufgabe, Brotbeck, der als dissonanz-Redaktor (1993 bis 1996), Präsident des Schweizerischen Tonkünstlervereins (1996 bis 2002), als Musikredaktor von Radio DRS 2, als Direktor der Hochschule für Musik und Theater Bern (1999 bis 2003) oder als Leiter des Fachbereichs Musik der Hochschule der Künste Bern (seit 2003) amtete oder amtet, in einer Preisrede zu loben. Er hielt folgende Ansprache.

KLANG-RAUM-CHOREOGRAFIE
Ein Oratorium zu Bernhard von Clairvaux von Daniel Glaus
VON HANSPETER RENGGLI

Zur 750-Jahr-Feier des Doms in Altenberg bei Köln schrieb Daniel Glaus ein Oratorium, in dessen Zentrum Texte des Mystikers Bernhard von Clairvaux stehen, das aber zugleich mit dem Einbezug von Texten des arabischen Lyrikers Abu Maydan eine Engführung christlicher und islamischer Mystik vornimmt. Hanspeter Renggli legt dar, wie Struktur, Tonmaterial und Klang-Raum-Choreografie die Zahlenverhältnisse des Grundrisses vom Altenberger Dom spiegeln und mit der Textbotschaft eine Vielzahl kompositorischer Konstellationen eingehen.

Affaires publiques

BOLOGNA: REISEZIEL ODER ZWISCHENSTATION? VON STEPHAN SCHMIDT

Berichte / Comptes rendus

–          Die Tage für Neue Musik Zürich
–           «38e Festival d'Automne de Paris»
–          Klangbiennale_2 des Hessischen Rundfunks in Frankfurt
–          «Concerts de l'OCL, Happy Birthday Heinz Holliger»
–          Symposium «Donaueschinger Kammermusiktage 1921-1926»
Diskussion

Nachrichten / Nouvelles

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