Dissonance

Personelle Wechsel in Zürcher Neue-Musik-Institutionen

Gleich beide von der Stadt Zürich getragenen Institutionen für zeitgenössische Musik stehen vor personellen Veränderungen, wie René Karlen, der Leiter der Abteilung E-Musik der Stadt Zürich, am 2. September 2011 gegenüber der Presse mitteilte.

Bei den Tagen für Neue Musik Zürich, dem finanziell wohl bestausgestatteten Festival für zeitgenössische Musik der Schweiz, sind nicht nur neue Köpfe angekündigt, sondern auch ein grundlegender struktureller Umbau. Die Edition 2011 ist zugleich Jubiläumsedition (gefeiert wird der 25. Geburtstag des Festivals) und Abschiedsvorstellung des bis anhin bewährten Intendantenmodells (über die letzten Jahre war es ein Intendanten-Duo mit Mats Scheidegger und Nadir Vassena). Auf Initiative der Stadt Zürich wird das Intendantenmodell ab 2012 zugunsten eines Kuratorenmodells aufgegeben, und die Programmierung des jeweils im November stattfindenden Festivals wird nun einem jährlich wechselnden Kuratoren anvertraut.

Für die Edition 2012 fiel die Wahl auf Christoph Keller, der sich nicht nur als Gründer und ehemaliger Chefredaktor der «dissonance» grosse Verdienste erworben hat, sondern auch durch seine künstlerische Arbeit (u.a. beim Collegium Novum Zürich) sowie als langjähriger Produktionsleiter bei DRS 2 (eine Funktion, die er jüngst an Roland Wächter weitergegeben hat).

2013 werden die Tage für Neue Musik Zürich von Moritz Müllenbach kuratiert. Müllenbach, Cellist und Komponist, hat durch seine Arbeit bei der ignm Zürich, vor allem aber durch seine umtriebige und vielgleisige künstlerische Tätigkeit sowie die Gründung des Ensemble Tzara auf sich aufmerksam gemacht.

Das neue Modell mit jährlich wechselnden Kuratoren verspricht sicherlich neuen Schwung in die Zürcher Tage für Neue Musik zu bringen, die sich in den letzten Jahren auf ästhetisch eher vorhersehbaren Pfaden bewegten, allerdings auch eine zunehmende internationale Ausstrahlung verzeichnen konnten und gelegentlich mit exemplarischen Aufführungen (noch immer erwähnenswert sind etwa Griseys «Les espaces acoustiques» mit dem Tonhalle-Orchester Zürich im Jahr 2004) und handfesten Überraschungen aufwarten konnten. Mit dem neuen Kuratorenmodell dürften die Festivalprogramme künftig (noch) stärker von persönlichen Vorlieben geprägt sein (was durchaus positiv sein mag), zudem besteht die Möglichkeit, dass der Programmier-Modus «Freunde engagieren Freunde» fröhliche Zeiten erleben wird. Zwar wäre dies nicht a priori als negativ zu bewerten, es stünde aber dem erklärten Ziel der internationalen Ausstrahlung – die nicht zuletzt durch ein international besetzes Programm erreicht wird – frontal entgegen.

Näher am Bewährten bleibt das Musikpodium der Stadt Zürich, in dessen Verantwortung rund acht übers Jahr verteilte Konzerte stehen, die sich schwerpunktmässig dem nationalen Musikschaffen widmen. Die Musikwissenschaftlerin und Journalistin Michelle Ziegler sowie die Cellistin Imke Frank treten ab der Saison 2012/13 die Nachfolge von Eva Nievergelt und Alfred Zimmerlin an.

(Tobias Rothfahl, 2. September 2011)
 
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by moxi